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Biologisch abbaubares Plastik: Für Meereslebewesen genauso schädlich wie herkömmliches Plastik?

13. Juli 2023

Ein neuer Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) legt nahe, dass biologisch abbaubare Kunststoffe ähnliche toxische Eigenschaften wie herkömmliche Kunststoffe haben könnten und auch viele Jahre in der Meereswelt überdauern  – und den Meereslebewesen womöglich genauso schaden.

„Chemikalien in Kunststoffen: Ein technischer Bericht (Chemicals in Plastics: A Technical Report)“ fasst eine Reihe wissenschaftlicher Studien zusammen und wurde Anfang Mai 2023 veröffentlicht, im Vorfeld der Verhandlungen der Vereinten Nationen für ein globales Plastikabkommen. Der Bericht soll dabei helfen, ein rechtlich bindendes Werkzeug zu entwickeln, um der Umweltverschmutzung durch Plastik ein Ende zu bereiten.

13.000 Chemikalien sind mit Kunststoffen in Verbindung gebracht worden. Für über 6.000 davon sind nicht ausreichend Informationen vorhanden, um ihren Einfluss auf Mensch oder Umwelt festzustellen, so UNEP. Und von den 7.000 Chemikalien, für die es genug Daten gibt, hat fast die Hälfte eine oder mehrere besorgniserregende Eigenschaften.

Was Kunststoffe für die Meeresflora und -fauna bedeuten, ist wohl bekannt. Jedes Jahr stirbt eine Vielzahl von Meereslebewesen, weil sie Plastik verzehren oder sich darin verfangen, oder an toxischer Kontaminierung. Die an der Spitze der Nahrungskette, wie Orcas oder Weiße Haie, sind besonders betroffen, aufgrund von Biomagnifikation, also, wenn giftige Chemikalien durch Nahrung aufgenommen werden und sich im Laufe der Nahrungskette zunehmend in den Körpern von Tieren anreichern. Endokrin wirksame Chemikalien in Kunststoffen sind besonders besorgniserregend, weil sie die Funktionen der Fortpflanzungs-, Immun- und Nervensysteme von Tieren beeinträchtigen können.

Chemikalien in Kunststoffen können sich auch auf die menschliche Gesundheit auswirken. Der Bericht hebt hervor, dass solche Substanzen mit Krebserkrankungen, Schädigungen des Nervensystems, Hormon- sowie Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht worden sind.

In dem Versuch, diese Probleme mit herkömmlichen Kunststoffen anzugehen, sind biobasierte und biologisch abbaubare Plastikalternativen entwickelt worden, die auch in Kapitel 6 des Berichts diskutiert werden. Doch diese sind ähnlich bedenklich. UNEP stellt fest, dass „biobasiertes Plastik zwar dabei helfen kann, das Problem der fossilen Ressourcen zu lösen, nicht aber das der Umweltverschmutzung durch Chemikalien in Plastik.“

Studien haben gezeigt, dass biologisch abbaubare Kunststoffe genauso problematisch wie herkömmliche Kunststoffe auf Basis fossiler Brennstoffe sein könnten und möglicherweise ähnliche Arten und Mengen bedenklicher Chemikalien enthalten. Sowohl in herkömmlichem als auch in biologisch abbaubarem Plastik kommt oft eine Vielzahl synthetischer Füllstoffe und chemischer Zusätze zum Einsatz, um seine Eigenschaften zu verändern, zum Beispiel seine Sprödigkeit zu verringern. Einige „biologisch abbaubare“ Kunststoffe werden Berichten zufolge nur unter industriellen oder kontrollierten Kompostierungsbedingungen abgebaut und verbleiben in der Meeresumwelt viele Jahre lang, nahezu ohne biologischen Abbau.

Biologisch abbaubare Kunststoffe können in Lebensmittelverpackungen und anderen Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, verwendet werden, wodurch Menschen schädlichen Chemikalien ausgesetzt werden können. Meereslebewesen können ebenfalls betroffen sein, falls Abfälle von Lebensmittelverpackungen in Gewässer gelangen.

Eine Studie von CHEM Trust und acht anderen gemeinnützigen Organisationen aus dem Jahr 2020 gab ebenfalls Anlass zur Sorge über die Nutzung biologisch abbaubarer Verpackungen. Die Studie fand heraus, dass Faserformprodukte (zum Beispiel Schüsseln, Teller und Lebensmittelboxen), die als biologisch abbaubare oder kompostierbare Einwegprodukte beworben wurden, die höchsten PFAS-Konzentrationen verglichen mit anderen Einwegverpackungen für Lebensmittel aufwiesen. PFAS sind eine Gruppe hochpersistenter Chemikalien; die besterforschten unter ihnen werden mit schwerwiegenden Gesundheitsschäden in Verbindung gebracht.

CHEM Trust fordert die Behörden der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs auf, ihre Bürger*innen vor schädlichen Chemikalien zu schützen – indem sie strenge Rechtsvorschriften einführen, um die schädlichsten Substanzen bis 2030 schrittweise aus Verbraucherprodukten zu verbannen, einschließlich aus Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

Um Ihr eigenes Risiko zu verringern, mit schädlichen Chemikalien in Plastik und Plastikalternativen in Kontakt zu kommen, empfiehlt CHEM Trust Ihnen, solche Materialien allgemein weniger zu nutzen. Hier einige hilfreiche Tipps dafür:

  • Kaufen Sie frisches und loses Obst und Gemüse.
  • Kaufen Sie in Unverpacktläden oder Nachfüllgeschäften ein, wo Sie Ihre eigenen Glas- oder Edelstahlbehälter (für lose Lebensmittel wie Nüsse oder Müsli) mitbringen können.
  • Bewahren Sie Lebensmittel in Glasbehältern auf.
  • Nutzen Sie Edelstahlflaschen.
  • Essen sie weniger Takeaway-Mahlzeiten.
  • Nutzen Sie wiederverwendbare Kaffeebecher aus Edelstahl.
  • Nutzen Sie nachfüllbare Produkte wann immer möglich. Sollten Sie keinen Unverpacktladen bei Ihnen in der Nähe haben, können Sie beispielsweise auch online viele Abonnementdienste für nachfüllbare Produkte finden, von Reinigungsmittel bis Kosmetika.

Lesen Sie hier auf unserer Website mehr darüber, wie Sie schädliche Chemikalien in Lebensmittelverpackungen vermeiden können.