Archiv der Kategorie: Biomonitoring

HBM4EU – Europaweites Human-Biomonitoring-Projekt

Belastung der Bevölkerung mit Problem-Chemikalien

 

Die Kontamination der Bevölkerung durch verschiedene Chemikalien, die häufig sehr langlebig und eventuell toxisch sind, steigt durch ihren zunehmenden Einsatz in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens an. So ließen sich beispielsweise in einer gemeinsamen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) und des Robert-Koch-Instituts (RKI) in nahezu allen Probanden einer Gruppe von 2500 ausgewählten Kindern und Jugendlichen Rückstande von 11 der 15 getesteten, vorrangig in Plastik enthaltenen Weichmacher nachweisen. Mögliche Langzeitschäden vieler Chemikalien sind größtenteils unbekannt. Ebenso ist die Frage, wie diese  Stoffe in den Körper gelangen, häufig kaum erforscht. Der weit verbreitete Einsatz kann daher unbekannte gesundheitliche Folgen haben.

Diesen Fragestellungen geht das im Jahr 2017 gestartete europaweite Human-Biomonitoring-Projekt HBM4EU nach. Das Projekt wird mit 50  Millionen Euro durch die EU im Rahmen des Forschungsprogramms „Horizon 2020“ gefördert und läuft noch bis zum Projektende im Jahr 2021. Das Ziel des Projekts ist es, durch vereinheitlichte Methoden ausgewählte Chemikalien in verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu untersuchen und die Vielzahl an Daten zu verarbeiten. Desweiteren sollen die so erhaltenen Daten einen Beitrag zu laufenden und kommenden Diskussionen zu Schutzmaßnahmen geben und Verbrauchern einen Überblick der von ihnen ausgehenden Gefahren liefern. Koordiniert wird dieses multinationale Projekt vom UBA, an dem insgesamt 28 Staaten teilnehmen (darunter 24 aus der EU sowie Norwegen, Israel, Island und die Schweiz).

Das folgende Video gibt einen Überblick über das Projekt:

https://www.youtube.com/watch?v=DmC1v6EAeAM

 

Die interessante Frage, auf welchen unterschiedlichen Wegen Chemikalien in den menschlichen Körper gelangen, wird in diesem anschaulichen Video erörtert:

https://www.youtube.com/watch?v=hiHHiksAeBY

Die Arbeiten des Projekts HBM4EU werden von über 100 Organisationen und Instituten durchgeführt.  Die Ergebnisse sollen in mögliche Schutzmaßnahmen der Bevölkerung umgesetzt werden sowie für die Entwicklung effektiver Biomarker für zukünftige Analysen eingewetzt werden.

Im HBM4EU-Projekt wurden bereits tausende Proben (z.B. Blut oder Urin) von Erwachsenen als auch Kindern genommen, welche anschließend auf ausgewählte Chemikalienklassen untersucht werden. In der ersten Phase des Projekts wurden neun Chemikalienklassen festgelegt, deren Expositionslevel und mögliche gesundheitliche Schäden genau untersucht werden sollten.

Die erste Liste der priorisierten Stoffgruppen umfasst:

  • Phthalate und Hexamoll® DINCH,
  • Bisphenole,
  • per- und polyfluorierte Verbindungen,
  • Flammschutzmittel,
  • Cadmium und Chrom,
  • polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK ),
  • Gruppe der Aniline,
  • chemische Mischungen und
  • neue/unbekannte Stoffe.

In einer zweiten Phase wurden neun weiteren Chemikalienklassen ausgewählt. CHEM Trust hat sich am Priorisierungsprozess beteiligt und ein entsprechendes Briefing veröffentlicht.

Die zweite Liste der prioritären Stoffgruppen umfasst:

  • Arsen
  • Acrylamid
  • Aprotische Lösungsmittel
  • Diisocyanate
  • Blei & Bleiverbindungen
  • Quecksilber & organische Quecksilberverbindungen
  • Mykotoxine
  • Pestizide , einschließlich Pyrethroid
  • UV Filter – Benzophenone

Einzelne Stoffe innerhalb dieser Chemikalienklassen werden desweiteren nach ihrem bereits bekannten und identifizierten Gefahrenpotential kategorisiert.

Erste Ergebnisse und Studien zu bestimmten Chemikalien können bereits auf IPChem, einer von der EU geführten Datenbank zu Expositionen und Gesundheitsgefahren diverser Chemikalien, eingesehen werden. Desweiteren wurden auch bereits vereinzelte Studienergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert.

Weiterführende Informationen über das HBM4EU-Projekt finden sich auch auf den Seiten des UBA.

Wie hoch ist unsere Schadstoffbelastung?

Synthetic chemicals in our bodies: what is our ‘body burden’?

Many people are unaware of the fact that our bodies are contaminated with synthetic chemicals that weren’t there in pre-industrial times. Some of these chemicals are now banned, but stick around as they take decades to break down, if at all. Others are still in use in furniture or even cosmetics.

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