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Die schädlichen Auswirkungen problematischer Chemikalien auf die männliche Fruchtbarkeit sind in der wissenschaftlichen Literatur gut dokumentiert. Im letzten Jahre erschien das Buch „Count Down“ von US-Wissenschaftlerin Dr. Shanna Swan, welches aufzeigt, dass Männer heutzutage nur noch halb so viele Spermien haben wie ihre Großväter. Im Juni dieses Jahres erschien eine wissenschaftliche Studie in der Zeitschrift Environment International, die weitere wichtige Erkenntnisse zu diesem Thema liefert.

Die Belastung mit hormonell wirksamen Chemikalien wie Bisphenolen und Phthalaten sind einer der mehreren Gründe für die Verschlechterung der Spermienqualität. Allerdings kann die Exposition gegenüber den Einzelstoffen den dramatischen Rückgang der Spermienqualität nicht erklären. Die neu veröffentlichte Studie zeigt aber, dass die Belastung der europäischen Bevölkerung gegenüber Mischungen dieser Chemikalien sowie weiteren Substanzen, wie zum Beispiel Dioxinen und Paracetamol, bereits deutlich höher ist als die als sicher angenommen Schwellenwerte.

Die Studie konzentrierte sich auf die Bewertung der Exposition gegenüber Chemikalien, von denen bekannt ist, dass sie die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen, und umfasste insgesamt 29 Chemikalien. Neun dieser Chemikalien wurden in menschlichen Urinproben in Konzentrationen gefunden, die über dem liegen, was als akzeptable Belastung angesehen wird. Bei einigen Personen wurde diese Konzentration sogar um das 100-fache überschritten! Bisphenol A, eine Chemikalie, die CHEM Trust seit Jahren als äußerst problematisch bezeichnet, trug stark zum Gesamtrisiko bei. Die Wissenschaftler*innen kommen jedoch zu dem Schluss, dass selbst wenn die Exposition gegenüber Bisphenol A fehlen würde, noch ein unannehmbar hohes „Mischungsrisiko“ bestehen bliebe.

Andreas Kortenkamp, Autor der Studie, stellte die Ergebnisse bei der Abschlusskonferenz des Europäischen Projektes HBM4EU vor, welches die Belastung der europäischen Bevölkerung mit ausgewählten, schädlichen Chemikalien analysiert hat. Er schlussfolgerte in seinem Vortrag unter anderem, dass Effekte, die durch das Vorliegen von Chemikaliengemischen auftreten, durch einen Sicherheitsfaktor in der Risikobewertung berücksichtigt werden sollten.

Der „Mischungseffekt“ oder „Cocktail-Effekt“ war auch Thema eines neuen Berichts von CHEM Trust, der im März diesen Jahres veröffentlicht wurde. Darin wurden weitere schwerwiegende Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen hervorgehoben, die durch die Exposition gegenüber Chemikaliengemischen im täglichen Leben entstehen können, einschließlich der Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung von Föten und  Kindern.

CHEM Trust fordert  eine Chemikalienregulierung, die die Sicherheit von Substanzen nicht länger isoliert bewertet. Stattdessen müssen Maßnahmen einführt werden, die die Realität unserer Exposition mit verschiedenen Stoffen aus ganz verschiedenen Quellen berücksichtigen. Die EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit ist ein wegweisendes Vorhaben zur Reform der EU-Chemikalienpolitik.  CHEM Trust setzt sich für dessen Umsetzung  ein und fordert einen besseren Schutz der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt vor schädlichen Chemikalien, einschließlich Maßnahmen zur Bekämpfung des „Cocktail-Effekts“.