Ein Briefing der Europäischen Umweltagentur zeigt, dass viele Gewässer in Europa mit schädlichen PFAS-Chemikalien belastet sind. Kann die neue Strategie zur Wasserresilienz der EU-Kommission dieses Problem angehen – oder sind andere Maßnahmen nötig?
Die PFAS-„Ewigkeitschemikalien“: Eine kurze Übersicht
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind eine Gruppe von über 10.000 Chemikalien, die aufgrund ihrer fett- und wasserabweisenden Eigenschaften in verschiedenen industriellen Prozessen, aber auch vielen Alltagsprodukten eingesetzt werden. Sie sind sehr persistent und bauen sich kaum in der Umwelt ab, deswegen werden sie auch Ewigkeitschemikalien genannt. Die meisterforschten Stoffe dieser Familie wurden schon mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen wie bestimmten Krebserkrankungen, Entwicklungsstörungen und Schädigungen des Immunsystems in Verbindung gebracht.
EEA-Bericht offenbart Gefahr für Gewässer
Die Europäische Umweltagentur (European Environmental Agency, kurz EEA) stellt in einem Briefing fest: Die Mehrzahl der untersuchten Gewässer in der EU sind stark mit PFOS belastet. PFOS (Perfluorooctansulfonsäure) gehört zur PFAS-Familie und wurde von der Weltgesundheitsorganisation als möglicherweise krebserregend eingestuft. Es ist seit 2009 unter der Stockholm-Konvention in der EU verboten, kann jedoch weiterhin in der Umwelt nachgewiesen werden, weil es so persistent ist.
Die EEA hebt zudem hervor:
- In Küstengewässern wurde die Umweltqualitätsnorm (UQN) für PFOS am häufigsten überschritten, nämlich in 73 Prozent der untersuchten Gewässer (Stand 2022). Eine Umweltqualitätsnorm (UQN) ist übrigens „[d]ie Konzentration eines bestimmten Schadstoffs oder einer bestimmten Schadstoffgruppe, die in Wasser, Sedimenten oder Biota aus Gründen des Gesundheitsschutzes und Umweltschutzes nicht überschritten werden darf.“
- Die UQN für PFOS wurde 2022 in 35 Prozent der Seen überschritten, ein Anstieg von 11 Prozent im Vergleich zu den Messungen aus 2018. Noch mehr Seen sind mittlerweile also mit PFOS belastet.
- In Belgien, Frankreich und Island wurde in 100 Prozent der gemeldeten Oberflächengewässer die UQN für PFOS überschritten (Stand 2022), dicht gefolgt von den Niederlanden (96 Prozent) und Deutschland (83 Prozent).
Dass PFOS und potenziell viele andere PFAS in europäischen Gewässern so weit verbreitet sind, sei eine klare Herausforderung für die EU, ihr Ziel von einer giftfreien Umwelt zu erreichen, erklärt die EEA in ihrem Bericht.
Die EU-Wasserrahmenrichtlinie fordert außerdem, dass alle Gewässer bis spätestens 2027 in einem „guten Zustand“ sein sollen. Auch dieses Ziel sei derzeit noch in weiter Ferne, so die EEA.
Europäische Strategie zur Wasserresilienz
Am 4. Juni 2025 veröffentlichte die EU-Kommission ihre Strategie zur Wasserresilienz. „Den Wasserkreislauf von der Quelle bis zum Meer wiederherstellen und schützen,“ so lautet eines ihrer drei Hauptziele. Dazu zählt auch die Bekämpfung von Schadstoffen wie PFAS im Trinkwasser. Allerdings schlage die Strategie keine vorbeugenden Maßnahmen vor, um zu verhindern, dass PFAS überhaupt erst in die Gewässer gelangen und nehme auch Verursacher*innen nicht ausreichend in die Verantwortung, kritisiert etwa Living Rivers Europe, ein Bündnis aus sechs großen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Generell greife die Strategie zu kurz.
Weitreichende Kontaminierung weltweit
PFAS wurden übrigens nicht nur im Wasser, sondern auch schon im Blut und in der Muttermilch von Menschen und Tieren auf der ganzen Welt gefunden und sogar in den abgelegensten Regionen nachgewiesen, zum Beispiel in der Antarktis.
Bereits im Februar 2023 zeigte ein internationales Recherche-Team, dass rund 23.000 Orte in ganz Europa mit PFAS kontaminiert sind. Bei über 2.300 davon handelt es sich um sogenannte Hotspots, mit so hohen PFAS-Konzentrationen, dass sie die Gesundheit der in der Umgebung lebenden Menschen gefährden könnten. In Deutschland konnten die Ewigkeitschemikalien an mehr als 1.500 Orten nachgewiesen werden, über 300 davon waren Hotspots.
PFAS an der Quelle stoppen
Die EU arbeitet momentan an einem EU-weiten Verbot der gesamten Familie der PFAS. CHEM Trust unterstützt dieses Vorhaben – denn nur mit einer umfassenden Beschränkung können weitere Belastungen mit den Ewigkeitschemikalien sicher verringert beziehungsweise aufgehalten werden. Wir möchten, dass die EU zu einer PFAS-freien Wirtschaft wird, um Menschen, Tiere und die Umwelt besser zu schützen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen ihre nationalen Umweltmonitoring-Programme verbessern und sollten Unternehmen proaktiv dabei helfen, noch vor Inkrafttreten des geplanten Verbots sicherere Alternativen zu PFAS zu finden.
Hier finden Sie das EEA-Briefing über die PFAS-Belastung in europäischen Gewässern und hier die Strategie der EU-Kommission zur Wasserresilienz. Mehr Informationen über das geplante PFAS-Verbot können Sie zudem in unserer Broschüre nachlesen.
