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Buntfalken, Rote Pandas, Unechte Karettschildkröten, Schimpansen und viele mehr: Über 150 Tierarten auf allen Kontinenten der Welt sind mit Flammschutzmitteln belastet, wie eine interaktive Karte vom Green Science Policy Institute demonstriert.

Um die Karte zu erstellen, haben Forscher*innen des Instituts Daten aus ausgewählten wissenschaftlichen Publikationen der letzten zwei Jahrzehnte zusammengetragen. Die ausgewerteten Studien zeigen, dass die Belastung mit Flammschutzmitteln zum Rückgang von Tierpopulationen beitragen und die Gesundheit von Tieren schädigen kann. Einige Beispiele für negative gesundheitliche Auswirkungen sind Veränderungen des Schilddrüsenhormonspiegels bei Eisbären, veränderte Herz- und Gehirnmasse bei amerikanischen Turmfalken und Störungen des Fortpflanzungs- und Immunsystems bei Orcas.

Die Forscher*innen weisen darauf hin, dass in den Studien nur ein kleiner Teil aller Tierarten und nur einige wenige Regionen auf bestimmte Flammschutzmittel untersucht wurden und dass die Analyse nur eine Auswahl an Studien beinhaltet. Das deutet darauf hin, dass die Belastungen mit Flammschutzmitteln und deren Auswirkungen noch weiter verbreitet sein könnten als auf der Karte dargestellt.

Das Überleben von Tieren in der freien Wildbahn ist bereits auf vielerlei Weise bedroht, zum Beispiel durch den Klimawandel, den Verlust von Lebensräumen oder invasive Arten. Und durch die Belastung mit schädlichen Chemikalien wird diese Liste um noch einen Stressfaktor länger.

Warum Flammschutzmittel problematisch sind

Flammschutzmittel sind chemische Verbindungen, die häufig in Produkten wie Sofas, Matratzen, elektronischen Geräten, Teppichen, Baumaterialien und Autositzen eingesetzt werden, um die Ausbreitung von Bränden zu verlangsamen.

Einige Flammschutzmittel sind sehr persistent, bauen sich also in der Umwelt nicht ab, und viele können sich in den Körpern von Tieren und Menschen anreichern (bioakkumulieren). Von bestimmten Flammschutzmitteln ist auch bekannt, dass sie Krebs verursachen, die normale Funktion des Hormonsystems stören oder sich negativ auf die Gehirnentwicklung auswirken.

Einige Studien stellen zudem die Wirksamkeit von Flammschutzmitteln bei der Verringerung von brandbedingten Todesfällen in Frage. Eine geringe Wirksamkeit wird zum Teil darauf zurückgeführt, dass Flammschutzmittel die Toxizität von Rauch erhöhen können und das Einatmen von giftigem Rauch die Wahrscheinlichkeit von Todesfällen bei Hausbränden erhöhen kann.

CHEM Trust fordert seit Jahren, die Verwendung persistenter sowie besonders toxischer Flammschutzmittel wie zum Beispiel Decabromdiphenylethan (DBDPE) zu beschränken. Obwohl bekannt ist, dass DBDPE persistent, bioakkumulierend und toxisch ist, es in der Umwelt, Tieren und menschlichen Proben gefunden wird und es als Alternative zu bereits verbotenen Flammschutzmitteln zunehmend verwendet wird, lässt ein Beschränkungsvorschlag auf sich warten.

CHEM Trust hat in seinem Beitrag zur Konsultation der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zu ihrer Regulierungsstrategie für Flammschutzmittel erneut umfassende und rasche Maßnahmen für Flammschutzmittel gefordert.

Erster Schritt hin zu einer Beschränkung?

Doch nun hat die Europäische Kommission ECHA damit beauftragt, einen Untersuchungsbericht über Flammschutzmittel zu erstellen, mit besonderem Fokus auf den sogenannten aromatischen bromierten Flammschutzmitteln (zu denen auch DBDPE zählt). Dieser Bericht wird die Kommission bei der Entscheidung unterstützen, ob sie ECHA dann auch mit der Erstellung eines Beschränkungsdossiers beauftragen wird.

Die erste Konsultation zu den aromatischen bromierten Flammschutzmitteln hat am 7. Februar 2024 begonnen und läuft bis zum 5. April 2024. Hier gibt es mehr Informationen.

Mehr über Flammschutzmittel können Sie außerdem in unserer Broschüre „Belastung der Bevölkerung mit Chemikalien – Was bedeuten die Ergebnisse des Humanbiomonitoring?“ nachlesen.