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In Folgenden finden Sie Einzelheiten zu einigen der besonders besorgniserregenden endokrinen Disruptoren (EDCs). Endokrine Disruptoren wirken auf das Hormonsystem und können damit viele verschiedene hormonelle Prozesse im Körper stören. Die hier beschriebenen Chemikalien sind nur Beispiele für EDCs, bei denen diese Wirkung bereits gut dokumentiert ist. Insgesamt könnte die Anzahl aller EDCs jedoch weit über 1.000 Substanzen liegen. Jedes Jahr werden EDC-Listen um weitere Stoffe ergänzt. CHEM Trust setzt sich dafür ein, dass alle besser vor EDCs geschützt sind.

Bisphenole

Bisphenole wie Bisphenol A (BPA), Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF) sind eine Gruppe von Chemikalien, die zur der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und –Harzen eingesetzt werden, die auch in Lebensmittelverpackungen weit verbreitet sind.

BPA ist das bekannteste und am häufigsten verwendete Bisphenol und weltweit zählt es zu den synthetischen Stoffen, die in den größten Mengen verarbeitet werden.

Bisphenole gelangen aus den Harzen in Lebensmittel- und Getränkedosen oder aus Plastikbehältern in die darin enthaltenen Lebensmittel und Getränke und werden so in den Körper aufgenommen. Aber auch beim Umgang mit Thermopapier, zum Beispiel in Form von Kassenbons oder Fahrkarten, entsteht ein Kontakt mit den Bisphenolen über die Haut.

Bisphenole wurden im Blut und Urin von Menschen in ganz Europa gefunden. Es ist nachgewiesen, dass sie das Hormonsystem beeinflussen und stören. Belastungen mit BPA konnten mit hormonell bedingten Krebserkrankungen, Herzkrankheiten, Fortpflanzungsproblemen, Adipositas und Beeinträchtigungen der kindlichen Gehirnentwicklung in Verbindung gebracht werden.

BPA wurde in der Europäischen Union (EU) als fortpflanzungsgefährdende Substanz eingestuft und als EDC identifiziert.

In der EU ist die Verwendung von BPA in Babyflaschen und Schnullern für Säuglinge verboten, seit Anfang 2020 auch der Einsatz in Kassenbons aus Thermopapier.

Während die EU daran arbeitet, BPA für bestimmte Produkte zu verbieten, beginnen Unternehmen andere, in ihrer Toxizität ähnlich bedenkliche Bisphenole zu verwenden. Um diese so genannten „bedauerlichen Substitutionen“ zu verhindern, müssen chemische Stoffe gruppenweise und nicht einer nach dem anderen verboten werden.

Mehr über Bisphenole erfahren Sie in unserem Bericht „Von BPA bis BPZ: eine toxische Buchstabensuppe?“ (PDF).
 

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)

Unter PFAS versteht man eine Gruppe von über 4.000 fluorierten chemischen Verbindungen, die wegen ihrer fett- und wasserabweisenden Eigenschaften in vielen Konsumgütern verwendet werden. Produkte wie Pfannen mit Antihaftbeschichtung, wasser- und schmutzabweisende Textilien, Lebensmittelverpackungen aus Papier und Karton sowie Kosmetika können PFAS enthalten.

Diese Gruppe von Chemikalien ist aus mehreren Gründen besorgniserregend. Erstens sind sie sehr langlebig – sie werden auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Sie werden kaum abgebaut und belasten die Umwelt daher über Generationen.

Zweitens sind PFAS bioakkumulierend: Sie reichern sich im Körper von Tieren und Menschen an. Die am meisten untersuchten Chemikalien dieser Gruppe wirken nachweislich als endokrine Disruptoren. Sie wurden mit Schilddrüsenerkrankungen, Adipositas, hohem Cholesterinspiegel, Fortpflanzungsproblemen und der Entwicklung bestimmter Krebsarten, darunter Nieren- und Hodenkrebs, in Verbindung gebracht.

Bislang sind nur zwei der 4.000 Chemikalien der Gruppe weltweit verboten – und es hat zehn Jahre gedauert, bis dieses Verbot endlich in Kraft getreten ist. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, werden wir Generationen brauchen, um die bekannten problematischen Chemikalien in der Gruppe zu verbieten.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: In Dänemark darf seit Juli 2020 kein PFAS mehr in Papier- und Kartonmaterialien verwendet werden, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Es ist dringend notwendig, dass andere Regierungen diesem Beispiel folgen.

Mehr über PFAS erfahren Sie in unserem Bericht (PDF).

Phthalate (Weichmacher)

Phthalate sind eine Gruppe chemischer Stoffe, die häufig Kunststoffen zugesetzt werden, um ihre Flexibilität und Beständigkeit zu erhöhen.

Sie sind in vielen Konsumgütern zu finden, z.B. in Möbeln, Bodenbelägen, Kleidung, Farben, Spielzeugartikeln, Toilettenartikeln sowie in Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, z.B. Kunststoffverpackungen.

Phthalate gelangen über unterschiedliche Wege in den Körper. Wir nehmen sie mit Nahrungsmitteln und Getränken auf, die in Phthalat-haltigen Behältern aufbewahrt wurden. Wir können sie auch einatmen, wenn sie von Plastikprodukten abgerieben werden und sich mit dem Staub in Innenräumen vermischen. Auf diese Weise sind besonders Kleinkinder Phthalaten ausgesetzt, da sie ihre Hände häufiger in den Mund nehmen und auf Böden und Teppichen herumkrabbeln.

Phthalate beeinträchtigen die menschliche Gesundheit. Für einige dieser Stoffe ist bekannt, dass sie fortpflanzungsgefährdend sind oder das Hormonsystem stören. Belastungen mit Phthalaten im Mutterleib wurden mit einer gestörten Entwicklung der Fortpflanzungsorgane bei Jungen, dem verfrühten Beginn der weiblichen Pubertät und einer verzögerten Sprachentwicklung in Verbindung gebracht.

Schwangere und Kinder reagieren besonders empfindlich auf eine Belastung mit Phthalaten.

Aufgrund dieser gesundheitlichen Bedenken hat die EU die Verwendung bestimmter Phthalate in Spielzeug und anderen Produkten für Kinder eingeschränkt. Zudem dürfen einige Phthalate nur unterhalb festgelegter Konzentrationsgrenzen in Produkten enthalten sein. In Kosmetika dürfen keine als fortpflanzungsgefährdend eingestuften Phthalate verwendet werden.

Kinder und Erwachsene sind jedoch weiterhin Phthalaten ausgesetzt, unter anderem aus Lebensmittelverpackungen. Es ist widersinnig, dass einige Phthalate in Kinderspielzeug verboten sind, weil Kinder diese Spielsachen in den Mund nehmen könnten, während der Einsatz dieser Stoffe in Lebensmittelverpackungen erlaubt bleibt.

Lesen Sie mehr über Phthalate in dieser Broschüre, die im Rahmen des EU-Projekts zum Human-Biomonitoring erstellt wurde (PDF).

Flammschutzmittel

Flammschutzmittel sind eine Gruppe chemischer Verbindungen, die sehr vielen Alltagsprodukten zugesetzt werden, um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern oder zu verlangsamen. Sie können unter anderem in Sofas, Matratzen, elektronischen Produkten, Teppichen, Baustoffen und Autositzen enthalten sein.

Flammschutzmittel werden häufig aus den Produkten freigesetzt, in denen sie verwendet werden. So reiben sich beispielsweise Flammschutzbeschichtungen von Textilien ab, vermischen sich mit dem Hausstaub und können sich so in der Wohnung ablagern. Außerdem werden Flammschutzmittel bei der Herstellung, Entsorgung und dem Recycling von Produkten in die Umwelt freigesetzt.

Am bedenklichsten für die menschliche Gesundheit sind zwei Hauptgruppen von Flammschutzmitteln: bromierte Flammschutzmittel (BFRs) und phosphororganische Flammschutzmittel (OFRs). Viele BFRs sind mittlerweile verboten, doch an ihrer Stelle werden ähnliche Verbindungen mit ähnlich problematischen Eigenschaften verwendet. Außerdem werden auch die verbotenen Chemikalien nach wie vor aus den „alten“ Möbeln und anderen Produkten freigesetzt.

Viele BFRs sind bioakkumulierend, d.h. sie sammeln sich im Körper von Tieren und Menschen an. Einige sind als krebserregend bekannt, können das Hormonsystem stören oder die Hirnentwicklung beeinträchtigen. Einige BFRs sind nicht nur in der EU sondern auch weltweit verboten, da sie von der UNO als persistente organische Schadstoffe (POPs) eingestuft wurden. POPs werden nur sehr langsam in der Umwelt abgebaut und verbreiten sich in der ganzen Welt.

Mehr über Flammschutzmittel erfahren Sie in der Broschüre der britischen Organisation Breast Cancer UK (PDF).

Unser Bericht „No Brainer“ gibt Ihnen mehr Informationen zu den Auswirkungen von Flammschutzmitteln auf die Gehirnentwicklung.