Verbraucherorganisationen aus Europa haben verschiedene Produkte von Online-Plattformen wie Shein, Temu und Wish untersucht und unter anderem schädliche Chemikalien wie PFAS und Phthalate gefunden.
Im Internet einzukaufen kann unglaublich praktisch sein: Nur wenige Klicks und schon hat man Zugang zu einer großen Vielfalt an Produkten, von bonbonförmigen Waschmittelkapseln über bunten Spielzeugschleim bis hin zu tragbaren Elektroheizungen – und das alles teilweise zu sehr günstigen Preisen.
Gleichzeitig kann Online-Shopping aber auch mit verschiedenen Problemen einhergehen, zum Beispiel, wenn man auf einer Plattform aus dem EU-Ausland einkauft, wo andere Gesetze gelten. In einem aktuellen Bericht stellt der europäische Verbraucherverband (BEUC) etwa mehrere Untersuchungen zur Sicherheit verschiedenster Produkte von Online-Shops wie Shein und Temu vor, die Verbraucherorganisationen aus ganz Europa durchgeführt haben. Viele der getesteten Produkte waren problematisch, etwa aufgrund der schlechten Qualität oder falschen beziehungsweise fehlenden Angaben zu Inhaltsstoffen (zum Beispiel bei Kosmetika). In einigen Produkten konnten zudem Chemikalien mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Eigenschaften nachgewiesen werden, von denen einige sogar bereits in der EU verboten sind.
Im Folgenden geben wir eine kleine Übersicht, in welchen Produkten von welchen Online-Plattformen beispielsweise schon bedenkliche Chemikalien gefunden wurden. Wir haben außerdem einige Tipps, mit denen Sie sich besser vor der Belastung mit diesen Substanzen schützen können. In einigen Fällen haben die Shops auch auf die Kritik reagiert und die Produkte aus dem Verkauf genommen.
Phthalate in Kinderspielzeug
Der dänische Verbraucherrat (THINK Chemicals) fand Phthalate in Plastikspielzeug von Amazon, Shein, Temu und Wish, teilweise in sehr hohen Konzentrationen, die einen gezielten Einsatz, also keine Verunreinigung, mit Phthalaten nahelegen. Drei der nachgewiesenen Phthalate sind in der EU seit mehreren Jahren in Spielzeug verboten, das heißt, diese Spielzeuge dürften in der EU gar nicht verkauft werden. Mehr Informationen finden Sie hier.
Phthalate sind Chemikalien, die unter anderem Kunststoffen zugesetzt werden, um sie flexibler und beständiger zu machen. Sie können sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken – einige Phthalate können zum Beispiel unser Hormonsystem stören. Belastungen mit Phthalaten im Mutterleib wurden außerdem mit einer gestörten Entwicklung der Fortpflanzungsorgane bei Jungen, dem verfrühten Beginn der Pubertät bei Mädchen und einer verzögerten Sprachentwicklung in Verbindung gebracht.
PFAS in Kleidung
In einem anderen Produkttest kaufte THINK Chemicals 26 günstige wasserfeste Jacken, sowohl in Geschäften in Dänemark als auch online, und untersuchte sie auf PFAS. Das Ergebnis: In 13 der 17 Jacken von Online-Plattformen wie Shein und Temu konnten die Ewigkeitschemikalien nachgewiesen werden. Und in 12 davon waren sogar PFAS enthalten, die in der EU verboten sind. Die vollständigen Testergebnisse finden Sie hier.
Auch Öko-Test untersuchte Kleidung von Shein und fand unter anderem Schadstoffe wie Phthalate in acht der 21 getesteten Produkte, darunter auch welche für Kinder und Teenager. Hier auf der Website von Öko-Test finden Sie mehr Informationen.
PFAS, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, sind eine Familie von über 10.000 Chemikalien, die sehr persistent sind, also kaum abgebaut werden und die Umwelt über lange Zeit belasten. Aus diesem Grund werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. PFAS können sich zudem in den Körpern von Menschen und Tieren anreichern. Die meisterforschten Substanzen dieser Familie wurden mit Krebserkrankungen, Unfruchtbarkeit und Schädigungen des Immunsystems in Verbindung gebracht.
Schwermetalle in Schmuck
THINK Chemicals kaufte auch günstigen Schmuck in dänischen Geschäften sowie online auf AliExpress, Amazon, Ebay, Shein, Temu und Wish und untersuchte ihn auf schädliche Schwermetalle. Sechs von 16 Schmuckstücken von Online-Shops, also über ein Drittel, enthielten entweder viel zu hohe Mengen an Cadmium oder setzten mehr Nickel frei, als in der EU erlaubt. Im Schmuck aus den Geschäften vor Ort konnte THINK Chemicals dagegen keine Schwermetalle nachweisen. Mehr über die Testergebnisse und darüber, warum Cadmium und Nickel problematisch sind, können Sie auf der Website von THINK Chemicals nachlesen.
Ewigkeitschemikalien in Materialien mit Lebensmittelkontakt
Der dänische Verbraucherrat fand PFAS in Einweggeschirr und Backpapier von Temu, in Konzentrationen, die darauf hindeuten, dass diese Substanzen gezielt verwendet wurden und es sich nicht „nur“ um eine Kontamination handelte. Der Einsatz von PFAS in Lebensmittelkontaktmaterialien aus Papier und Pappe ist in Dänemark verboten. Hier geht’s zum vollständigen Test.
Schadstoffe in Party-Produkten
Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) untersuchte mehrere Party-Produkte, beispielsweise Luftballons und Lichterketten, von AliExpress, Shein und Temu und konnte PFAS, Phthalate und andere schädliche Chemikalien darin nachweisen, teilweise weit über den gesetzlichen Grenzwerten in der EU. Mehr Informationen gibt’s auf der Website vom BUND.
Maßnahmen und Tipps für sichereres Einkaufen im Internet
Was tun gegen schädliche Chemikalien in Produkten von Online-Shops? Im Februar 2025 kündigte die EU-Kommission „Maßnahmen für sichere und nachhaltige Einfuhren elektronisch gehandelter Produkte“ an. Das bedeutet strengere Regeln und Kontrollen für Online-Plattformen und mehr Schutz für Verbraucher*innen und die Umwelt. Mehr über die nächsten Schritte lesen Sie in der Pressemitteilung der Kommission.
Leseempfehlung
Deutschlandfunk: „EU und USA verschärfen Kurs gegen Shein und Temu“
Hier außerdem einige Tipps für Sie, wie Sie Schadstoffe beim Online-Shopping etwas besser vermeiden können:
- Kaufen Sie möglichst auf seriösen Plattformen aus EU-Ländern ein.
- Halten Sie Ausschau nach Umweltzeichen, zum Beispiel dem EU-Ecolabel, dem Blauen Engel oder dem Nordic Swan. (Das gilt übrigens auch, wenn Sie in Geschäften vor Ort einkaufen. Dort können Ihnen auch Apps wie die ToxFox-App vom BUND beim Scan der Inhaltsstoffe helfen.)
- Informieren Sie sich bei der Verbraucherzentrale. Hier erfahren Sie beispielsweise mehr darüber, was Sie beim Einkaufen auf Shein, auf Temu und in Online-Shops generell beachten sollten.
Mehr Tipps, mit denen Sie sich etwas besser vor schädlichen Chemikalien im Alltag schützen können, finden Sie hier.

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