Vergangene Woche endeten die Verhandlungen über die Revision der aktuellen EU-Spielzeugrichtlinie mit einem positiven Ergebnis: PFAS, gefährliche Bisphenole und hormonell schädigende Chemikalien sollen in Spielzeug für Kinder verboten werden.
Ob Fingerfarbe oder Plastikball: In vielen Arten von Spielzeug konnten bereits schädliche Substanzen nachgewiesen werden. Kinder sind für die möglichen negativen Auswirkungen dieser Chemikalien besonders anfällig, waren durch die bisherige Spielzeugrichtlinie allerdings nicht ausreichend davor geschützt.
Im Juli 2023 veröffentlichte die Europäische Kommission deswegen einen Vorschlag für eine Überarbeitung der Spielzeugrichtlinie, der daraufhin gründlich von den Rechtsorganen der EU diskutiert und abgestimmt wurde.
Am 10. April konnten das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union dann eine vorläufige Einigung erzielen. Wie bereits von der Kommission vorgeschlagen, sollen hormonell schädigende Chemikalien (endokrine Disruptoren, kurz EDCs) beschränkt werden. Die Gesetzgeber*innen einigten sich außerdem, künftig auch per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, also PFAS, sowie zehn Bisphenole mit besorgniserregenden Eigenschaften in Spielzeug zu verbieten.
Der Parlament und der Rat müssen diese Einigung nun noch förmlich bestätigen, bevor sie in Kraft tritt.
Antonia Reihlen, chemiepolitische Expertin bei CHEM Trust, sagt:
„Wir sind erleichtert, dass das generelle Verbot von hormonell schädigenden Stoffen nun im Spielzeuggesetz verankert ist und Kinder besser geschützt sind. Die zusätzliche Beschränkung von zehn Bisphenolen sowie den PFAS-‚Ewigkeitschemikalien’ sind wichtige Schritte. Weitere Verbesserungen der EU-Chemikalienpolitik, zum Beispiel im Rahmen der REACH Revision, sind aber dringend nötig, um die Chemikalienbelastung von Kindern zu senken.“
Weitere Informationen:
Mehr zu den beschränkten Stoffgruppen:
Endokrine Disruptoren sind Chemikalien, die die Funktion unseres Hormonsystems stören können und mit ernsthaften Gesundheitsschäden in Verbindung gebracht worden sind, wie zum Beispiel Krebs- und Herzerkrankungen, Fortpflanzungsprobleme und Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung von Kindern.
PFAS sind sehr persistent und somit praktisch unzerstörbar: Gelangen sie in die Umwelt, verbleiben sie dort für viele Jahre – aus diesem Grund werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. PFAS wurden bereits im Blut und in der Muttermilch von Menschen und Tieren auf der ganzen Welt und sogar in den abgelegensten Regionen gefunden, zum Beispiel in der Antarktis. Die meisterforschten Chemikalien dieser Familie wurden schon mit bestimmten Krebserkrankungen, Entwicklungsstörungen, Schädigungen des Immunsystems und anderen schweren Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht.
Bisphenole wurden bereits im Blut und Urin von Menschen in ganz Europa nachgewiesen. BPA, das bekannteste und meistverwendete Bisphenol, kann unser Hormonsystem stören und wurde mit bestimmten Krebsarten, Herzkrankheiten, Fortpflanzungsproblemen und anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht.
