Home » Alle News » Schutz vor hormonell schädigenden Chemikalien: Ein Jahr nach dem eigenen Aktionsplan bleibt die Regierung untätig

Schutz vor hormonell schädigenden Chemikalien: Ein Jahr nach dem eigenen Aktionsplan bleibt die Regierung untätig

18. Oktober 2024

Rund ein Jahr nach der Vorstellung des Fünf-Punkte-Plans der Bundesregierung zum Schutz vor hormonell schädigenden Chemikalien ziehen CHEM Trust Europe und weitere Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen in einem neuen Forderungspapier eine ernüchternde Bilanz: Trotz klarer Warnungen aus der Wissenschaft und dem Versprechen der Regierung, den Schutz der Bevölkerung zu verstärken, fehlt es weiterhin an ausreichender Finanzierung und konkreten Maßnahmen, die über ein „business as usual“ hinausgehen. Die gesundheitliche Gefährdung durch endokrine Disruptoren, die unter anderem in Alltagsprodukten enthalten sind, bleibt also ungebremst.

Kurzer Hintergrund

Von Reinigungsmitteln über Plastikverpackungen bis hin zu Körperpflegeprodukten: Hormonell schädigende Chemikalien, auch als endokrine Disruptoren oder kurz EDCs bekannt, können in ganz alltäglichen Produkten enthalten sein. Das Problem: Diese Substanzen können das Hormonsystem von Menschen und Tieren negativ beeinflussen und wurden mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen wie Unfruchtbarkeit, Störungen der Gehirnentwicklung und Krebs in Verbindung gebracht.

Aus diesem Grund war die Hoffnung erst groß, als die Bundesregierung am 15. November 2023 endlich ihren Fünf-Punkte-Plan zum Schutz vor hormonell schädigenden Chemikalien veröffentlichte. CHEM Trust Europe begrüßte den Plan, forderte aber schon damals mehr Verbindlichkeit und konkrete Schritte für die Umsetzung.

Fast ein Jahr später hat sich diesbezüglich allerdings nichts geändert. Die Regierung tut weiterhin das, was sie (auf EU-Ebene) immer schon getan hat. Das ist gut – reicht aber bei Weitem nicht aus, um die Bevölkerung und die Umwelt vor EDCs zu schützen. Denn der Status Quo hat zu hohen Belastungen mit EDCs geführt, nicht zu sinkenden. Daher sind zusätzliche nationale, europäische und globale Maßnahmen notwendig, verbindliche Zeitpläne und finanzielle Mittel. Hier hat die Bundesregierung bisher nichts vorangebracht!

Nichtregierungsorganisationen fordern dringend zum Handeln auf

Genau einen Monat vor dem einjährigen Jubiläum des Fünf-Punkte-Plans haben CHEM Trust Europe, HEJSupport, PAN Germany und WECF Deutschland deswegen ein gemeinsames Forderungspapier veröffentlicht. Darin kritisieren sie die Untätigkeit der Regierung scharf und geben konkrete Empfehlungen, um den Schutz der Bevölkerung und der Umwelt sicherzustellen. Die Forderungen werden von 17 weiteren Organisationen unterstützt.

Unsere Forderungen an die Politik

Die unterzeichnenden Organisationen fordern die Bundesregierung dazu auf, den Schutz vor hormonell schädigenden Chemikalien ernst zu nehmen und endlich konkrete Maßnahmen dagegen einzuleiten.

Zu unseren Forderungen gehören:

  • Das Phase-out von hormonell schädigenden Chemikalien in Produkten und Anwendungen, wo sie verzichtbar und/oder Alternativen absehbar verfügbar sind sowie die Förderung der Entwicklung nachhaltiger Alternativen, wo es noch keine gibt;
  • Eine Beschleunigung der Identifizierung von EDCs, insbesondere durch Nutzung des Gruppierungsansatzes, durch harmonisierte Einstufungen auf europäischer Ebene;
  • Die Entwicklung und Validierung noch fehlender Methoden, um Chemikalien auf ihre endokrine Wirkung zu testen;
  • Ausbau des Humanbiomonitorings und des Umweltmonitorings von EDCs zur Überwachung der Belastungstrends;
  • Aufklärungskampagnen über die Risiken von EDCs, insbesondere für besonders betroffene Gruppen wie zum Beispiel Schwangere.

Die vollständige Liste finden Sie in unserem Forderungspapier.

An jedem weiteren Tag, an dem die Bundesregierung nicht handelt, werden schädliche Chemikalien weiterhin freigesetzt – auf Kosten der Gesundheit heutiger und zukünftiger Generationen sowie unserer Umwelt.

Antonia Reihlen, wissenschaftliche Referentin bei CHEM Trust Europe, fordert:

„Die hohe Belastung von Mensch und Umwelt mit hormonell schädigenden Stoffen zeigt, dass die aktuelle Gesetzgebung keinen ausreichenden Schutz gewährleistet. ‚Business as usual’, wie im Fünf-Punkte-Plan beschrieben, wird daran nichts ändern. Deutschland muss unter anderem zusätzliche Ressourcen bereitstellen, um Gruppen hormonell schädigender Stoffe zu identifizieren und auf EU-Ebene Beschränkungen zu erarbeiten.”