Die umwelt- und gesundheitsschädlichen PFAS-Chemikalien belasten Menschen, Tiere und Natur in ganz Europa. Deshalb haben fünf EU-Länder bereits vor einigen Jahren einen Vorschlag für ein EU-weites Verbot dieser Substanzen eingereicht, der momentan in den Ausschüssen der Europäischen Chemikalienagentur diskutiert wird. In der Zwischenzeit haben Frankreich und Dänemark bereits nationale Verbote der Verwendung von PFAS in manchen Verbraucherprodukten eingeführt und auch Schweden hat nun Pläne für eine solche Beschränkung angekündigt. Andere EU-Mitgliedstaaten entwickeln ebenfalls nationale Maßnahmen, um gegen die Belastung mit PFAS vorzugehen. Auch verschiedene Unternehmen sind dem geplanten EU-weiten Verbot voraus und hören schon jetzt damit auf, die Ewigkeitschemikalien einzusetzen. In einem Briefing untersucht CHEM Trust, welche Rolle solche Initiativen auf nationaler Ebene bei der Regulierung von PFAS spielen.
Die PFAS-„Ewigkeitschemikalien“: Eine kurze Übersicht
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) bezeichnet eine Familie von über 10.000 Chemikalien, die aufgrund ihrer fett- und wasserabweisenden Eigenschaften in verschiedenen industriellen Prozessen, aber auch in vielen Alltagsprodukten eingesetzt werden. Sie bauen sich kaum in der Umwelt ab und verbleiben dort für viele Jahre – deswegen werden sie auch Ewigkeitschemikalien genannt. PFAS kontaminieren unsere Flüsse und Meere, unsere Lebensmittel, unser Trinkwasser. In einigen Regionen ist die Belastung mit den Ewigkeitschemikalien sogar so hoch, dass die dortigen Bewohner*innen davor gewarnt werden, das Leitungswasser zu trinken. Die meisterforschten Stoffe der PFAS-Familie wurden schon mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen wie bestimmten Krebserkrankungen, Entwicklungsstörungen und Schädigungen des Immunsystems in Verbindung gebracht.
Vorteile von nationalen Maßnahmen gegen PFAS
Um die weitreichende Belastung von Mensch und Umwelt mit PFAS effektiv anzugehen, brauchen wir dringend ein umfassendes, EU-weites Verbot dieser Substanzen. Bis über dieses Verbot entschieden ist und es in Kraft tritt, können PFAS-Verwendungsverbote auf nationaler Ebene wie in Frankreich, Dänemark und bald auch Schweden sowie zusätzliche Maßnahmen wie stärkere Überwachung und Sanierung den Schutz von Umwelt und Gesundheit verbessern.
Bislang gelten die Beschränkungen in Dänemark und Frankreich nur für einige ausgewählte Kategorien von Verbraucherprodukten, zum Beispiel Schuhe und Kosmetika, jedoch nicht für industrielle Anwendungen, die ebenfalls eine wichtige Quelle für PFAS-Emissionen sind. Das geplante Verbot in Schweden würde ebenfalls nur bestimmte Verbraucherprodukte wie Kleidung, Küchenutensilien und Kleidung abdecken.
Aber auch wenn sie nur einen Teil der Emissionen abdecken, können Verbote von PFAS in Verbraucherprodukten positive Auswirkungen haben. Hier einige Beispiele:
- In Dänemark sind PFAS seit 2020 in Lebensmittelverpackungen aus Papier und Karton verboten. 2026 tritt dort außerdem ein Verbot von PFAS in Verbrauchertextilien in Kraft. Das bedeutet: Weniger mögliche PFAS-Belastungsquellen.
- Die Aussicht auf neue Gesetze kann (frühzeitiges) Handeln von Seiten der Industrie motivieren. Zum Beispiel haben in Frankreich Kosmetikunternehmen bereits vor dem Inkrafttreten des nationalen PFAS-Verbots damit angefangen, PFAS-freie Produkte herzustellen – gute Nachrichten für die Menschen in Frankreich, insbesondere für Personen, die öfter Kosmetikprodukte nutzen und daher auch stärker von schädlichen Chemikalien betroffen sind.
- Maßnahmen auf nationaler Ebene können (noch bevor die EU-weite Beschränkung in Kraft tritt) Hersteller von PFAS-freien Alternativen stärken und ihnen einen Markt schaffen. Schon jetzt erforschen immer mehr Firmen alternative Produkte ohne Ewigkeitschemikalien – oder vermarkten sie sogar bereits.
- Ein erfolgreiches nationales Verbot zeigt, dass Produkte auch ohne PFAS hergestellt werden können und stärkt die Akteur*innen, die sich für ein striktes, europäisches Verbot einsetzen. Es ebnet so den Weg für die politischen Prozesse und ermutigt Unternehmen, die sich für PFAS-freie Produkte einsetzen.
In Dänemark gibt es außerdem seit 2024 einen PFAS-Aktionsplan, der mehr Mittel für die Überwachung der Ewigkeitschemikalien und die Sanierung von kontaminierten Standorten bereitstellt.
Auch Frankreich hat (seit 2023) einen Aktionsplan gegen die Ewigkeitschemikalien. 2025 wurde zudem eine neue „Verursachersteuer“ eingeführt, die finanzielle Unterstützung für Kommunen für das Monitoring und die Sanierung von PFAS beziehungsweise PFAS-kontaminierten Orten bieten wird.
Mehr Informationen darüber, welche Maßnahmen Dänemark, Frankreich und die EU bisher gegen PFAS eingeführt haben, können Sie in unserem Briefing nachlesen.
Begrenzte Wirkung von nationalen Maßnahmen
- Bisher gelten die beschlossenen nationalen Verbote nur für eine begrenzte Auswahl von Verbraucherprodukten, auch wegen der Lobbyaktivitäten einiger Industrievertreter*innen und -branchen. In Frankreich haben etwa einige Hersteller*innen von Küchenutensilien dafür gesorgt, dass das PFAS-Verbot abgeschwächt und Kochgeschirr aus der Beschränkung ausgenommen wurde.
- Industrielle Anwendungen von PFAS wurden bisher noch nicht in nationalen Verboten abgedeckt, obwohl sie eine bedeutende Emissionsquelle sind.
- Nationale Verbote schützen womöglich nur die Bürger*innen in den Ländern, in denen sie umgesetzt werden – doch alle Menschen in der EU sollten gleichermaßen vor schädlichen Chemikalien geschützt werden.
Fazit: Nationale PFAS-Verbote können hilfreich sein, ersetzen aber keinesfalls eine Beschränkung auf EU-Ebene
Nationale Maßnahmen – wie nationale Verbote, die Förderung der Forschung zu sichereren Alternativen, eine Verbesserung der Überwachung von Anlagen, mehr Aufklärung über PFAS, oder die Sanierung von PFAS-„Hotspots“ – können die Belastung von Mensch und Umwelt mit den Ewigkeitschemikalien etwas mindern, solange EU-weite Regelungen noch nicht in Kraft getreten sind. Insbesondere können nationale Verbote dazu beitragen, dass Unternehmen (früher) PFAS-freie Produkte entwickeln und zeigen, dass Alternativen möglich sind.
Doch um die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in der EU überall gleichermaßen und vor allem ausreichend zu schützen, muss unbedingt bald eine umfassende PFAS-Beschränkung auf europäischer Ebene eingeführt und umgesetzt werden, die alle Emissionsquellen – also sowohl Verbraucherprodukte als auch industrielle Anwendungen – abdeckt.
Antonia Reihlen, chemiepolitische Expertin von CHEM Trust Europe, sagt:
Die nationalen Verbote in Frankreich, Dänemark und jetzt bald auch Schweden zeigen, dass es sehr wohl Alternativen zu PFAS gibt. Sie können aber eine EU-weite Beschränkung der Ewigkeitschemikalien nicht ersetzen. Nur ein weitgehender Stopp der Verwendung von PFAS kann die Belastung von Mensch und Umwelt langfristig und effektiv verringern.
